DER MANIPULATOR ERKENNT DIE KONSEQUENZEN NICHT?

Yuval Noah Harari behauptete im Januar 2020 zum Thema „The Future of Sapiens“ folgendes: „Menschen sind sehr gut darin zu manipulieren, sie sind oft jedoch sehr schlecht darin die vollen Konsequenz dieser Manipulationen zu verstehen.“

Es mangelt dem Menschen nicht an Weisheit, wie Harari weiterhin behauptete. Zehntausend Jahre der Sesshaftigkeit sollten unlängst ausreichen um weise zu sein, wenn man es denn will. Es geht dem Manipulator nicht um die Konsequenzen seiner Handlungen, zumindest solange nicht, wie sie seine ungleich näheren Interessen nicht berührt. Der kohleverstromende Energiekonzern interessiert sich für die Quartalszahlen, die dieser seinen Aktionären möglichst schmackhaft präsentieren will und zwar um seine ihm nahen Interessen zu bedienen. Die Konsequenz daraus, im schlimmsten Fall der ökologische Kollaps scheinen jedoch in weiter Ferne zu liegen, liegen vielleicht sogar jenseits der eigenen noch zu erwartenden Lebenszeit – die bereits sichtbaren Folgen werden willentlich übersehen oder finden schlicht nicht vor der eigenen Haustür statt und scheinen daher einen selbst nicht anzugehen. Zynisch gewendet: Was hat der Unternehmer von Umweltschutz, wenn ihm innerhalb der kommenden Wochen oder maximal Monaten die Aktionäre in Scharen davon laufen?

Der Manipulator mag also die Konsequenzen kennen oder immerhin von ihnen gehört haben und diese zur Kenntnis nehmen, sein Handeln muss deshalb noch lange nicht von diesen beeinflusst werden. Das hat jedoch keinesfalls etwas mit mangelnder Weisheit zu tun. Der Weise ist nicht zwingend ein Advocat von Mutter Erde. Aus einer ganz bestimmten ökonomischen Perspektive heraus, mag sich der Manipulator sogar als Weiser deklarieren dürfen oder wird von anderen als solcher deklariert – Stichwort: die Wirtschaftsweisen. Zugespitzt könnte man sagen, dass der ökonomische Manipulator sogar überaus weise ist, er weiß um die Zusammenhänge real existierender Ökonomie, er weiß um die wirtschaftlichen Konsequenzen für das Unternehmen, springen die Anleger ab. Weise hingegen ist gerade die- oder derjenige nicht, die bzw. der glaubt, dass die Natur, das Mutter Erde, in den für das Unternehmen relevanten Zahlen auftaucht. Dem ist nicht so. Hier mag, insofern ein ökologisch nachhaltiges Wirtschaften zu wünschen sei, dringlicher Veränderungsbedarf liegen, doch noch sind wir weit davon entfernt aus eben einer solchen Perspektive heraus zu denken, menschliches Handeln zu evaluieren und dann zu dem Schluss zu kommen, dass der Manipulator die Konsequenzen nicht erkennen würde. Wer dies jedoch tut und solch einen Maßstab anlegt, befindet sich in einer ideologischen Blase, die möglicherweise gesellschaftliches Gemeingut sein sollte, es de facto aber noch nicht ist.

Bevor man sich also populistischer Evaluationen menschlich-ökonomischen Handelns ereifert um die eigene mediale Beliebtheit zu steigern, sollte man über die Veränderung der Bedingungen menschlichen Wirtschaftens nachdenken, wie dies bereits von herausragenden Denkerinnen und Denkern unserer Zeit angegangen wird, um dann ökologisch sinnvolle Veränderungen innerhalb des Wirtschaftssystems herbeizuführen – ein fundamentaler Neustart (eines ganz und gar neuen ökonomischen Systems) wird aufgrund der globalen Verflechtungen eine kaum realisierbare Utopie bleiben. Innerhalb eines ökologisch nachhaltigen Wirtschaftssystems lässt sich dann mit Blick auf die ökologischen Konsequenzen des Wirtschaftens tatsächlich evaluieren, wer weise ist, sprich wer die Konsequenzen seines Handelns tatsächlich überschaut und wer nicht. Denn nur in einem ökologisch nachhaltigen Wirtschaftssystem zählen ökologische Konsequenzen. Leider, so muss man konstatieren, auch wenn wir uns dies anders wünschen sollten, zählen sie nicht in unserem aktuellen Wirtschaftssystem – dies zu erkennen, verlangt ein gewisses Maß an Weisheit.

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