WENN EINE FRAU EINE STADT NIEDERBRENNT

Radikaler Feminismus ist nicht lebensfeindlich

In einem auf der bekannten Onlineplattform bento publizierten Beitrag mit dem Titel Wie „Game of Thrones“ seine Frauenfiguren ruiniert, stimmt die Autorin Merve Kayikci in den Tenor der Social Medias ein, nämlich dass insbesondere der Charakter Daenerys Targaryen „ruiniert“ wurde. Sie, Daenerys, und andere, insbesondere weibliche Charaktere hätten vor allem in der letzten Folge der Serie eine Entwicklung oder vielmehr eine Persönlichkeitsveränderung durchgemacht, die mehr einer Persönlichkeitsstörung gleicht und für viele nicht nachvollziehbar ist.

Im Zentrum steht Daenerys’ Flug auf ihrem letzten Drachen Drogon über King’s Landing (Königsmund), die Hauptstadt des fiktiven Reiches Westeros, welche sie gleichsam aufgrund des exzessiven Gebrauchs von Drachenfeuer niederbrennt und mit der Stadt vor allem die Zivilbevölkerung. Daenerys’ Verhalten wurde von der Community nicht sonderlich gut aufgenommen. Für viele Fans der Serie sei ihr Verhalten nicht nur völlig unverhältnismäßig, geradezu barbarisch gewürzt mit reichlich Sadismus, sondern sogar unplausibel, inhaltlich nicht nachvollziehbar.

Kayikci schießt sich bei den Kritiken vor allem auf gegen Frau gerichtete Stereotype à la „Hast du deine Tage?“ ein. Sie zitiert einen Tweet, indem der Autor oder die Autorin desselbigen von „Prämenstruellem Syndrom“ schwadroniert. Irgendetwas müsse ja der Grund sein für eine so plötzliche Wendung von der Königin der Herzen hin zur Königin der Asche. (Fairerweise müsste man an dieser Stelle anmerken, dass waschechte Fans, was rationales und reflektiertes Nachdenken anbelangt, doch eher eingeschränkt sind, zumindest dann, wenn es um den Fetisch der eigenen Anbetung geht.)

Kayikci findet einige wichtige und richtige Argumente um Daenerys’ Verhalten durchaus nachvollziehbar darzustellen, was selbstverständlich nicht als Rechtfertigung verstanden werden darf. Aber auch Kayikci scheint zu entgehen, wie offenbar auch so vielen Zuschauern, dass immens viel Zeit nicht nur zwischen den einzelnen Staffeln vergeht, sondern auch zwischen den Folgen und teilweise sogar innerhalb einer einzigen Folge. Kayikci sieht dann nur noch ihr „feministisches Herz“ brechen in Anbetracht des angeblichen Durchdrehens der Drachenkönigin. Zeit ist eben doch nicht nur relativ und ebensowenig mit der verstrichenen Zeit der eigenen Wahrnehmung, sprich der Zeit, die der Betrachter zum betrachten der Handlung aufgewendet hat, identisch.

Den Feminismus, den sie übrigens nicht definiert, sieht Kayikci verraten, weil „ihre Geschichten doch wieder in den gleichen alten Mustern erzählt werden“. Und Kayikci weiter: „Denn ja, man kann das Zerstören von Königsmund als Racheakt für ihre treue Beraterin Missandei interpretieren. Doch vor allem die Zurückweisung von Jon Snow (Jon Schnee) persönlich und die abstrakte Zurückweisung des Volkes, von dem sie ‚keine Liebe bekommt‘, scheint sie zu dem Schluss zu führen, dann eben mit Angst regieren zu müssen. […] Aber muss es wirklich am Ende die unerfüllte Liebe sein, an der die Frauenfigur zerbricht?“

Sicherlich, eine solche Interpretation liegt nicht ganz fern, wird dem Zuschauer sogar regelrecht suggeriert, aber zwischen dem Tod von Missandei, der treusten und engsten Beraterin, und dem Niederbrennen der Stadt liegen gut zwei Wochen, genug Zeit um zu trauern und sich wieder mental zu fangen. Um dies zu wissen, muss man allerdings auch wissen was eine „fortnight“ ist – gemeint ist natürlich nicht das gleichnamige Videospiel Fortnight –; Details, die dem hitzigen „Fanboygemüt“ aber entgehen können.

Offensichtlich entging Kayikci, wie auch allzu vielen Fans der Serie, dass die Macher David Benioff und Daniel B. Weiss in einem Videobeitrag zur fünften Folge explizit herausstellten, dass die Perspektive der Zivilbevölkerung eingenommen werden sollte. Der bewusste, visuelle Fokus auf die durch die brennende Stadt laufende Arya Stark, sollte den intendierten Effekt noch verstärken, nämlich Mitleid beim Zuschauer zu erzeugen, denn es ist psychologisch gesehen leichter sich mit einem bekannten Charakter, der darüberhinaus noch ein Publikumsliebling ist, zu solidarisieren als mit Unbekannten, selbst dann, wenn es sich um viele handelt – das Leid eines bekannten Charakters wiegt schwerer als das vieler unbekannter Charaktere. Von einem durchaus möglichen Gefühlschaos aufgrund von Verlust und Enttäuschung sowie tatsächlichen Motiven, welche Daenerys Targaryen für das von ihr verursachte Inferno gehabt haben könnte, weiß der Zuschauer nichts, ganz gleich wie oft er sich gemäß seiner selbst zugeschriebenen Expertise in der Götterperspektive wähnt.

Doch für Erörterungen dieser Art zeigt Kayikci kein Interesse; sie hat mit der Folge nämlich ein ganz anderes, eigenes Problem. Für Kayikci hört der Spaß bei (angeblich) unerfüllter Liebe auf. Liebe, ob nun erfüllt oder unerfüllt, darf, so scheint es, keine Feministin aus den Latschen hauen. Für einen Mann hat man als freie Frau keine Stadt niederzubrennen. Aber die zugrundeliegende Perspektive ist viel problematischer als dies auf den ersten Blick zu sein scheint: Wenn nämlich eine Serie von zwei Männern gemacht wird, jene wiederum auf den Büchern und Ideen eines (dritten) Mannes beruhen, dann muss das Verhalten der Frau aufgrund axiomatisch angenommener patriarchalischer und chauvinistischer Strukturen vom Mann abhängen. Die Frau denkt und handelt nicht (mehr) autonom, sondern sie reagiert gemäß solcher Vorstellungen auf den Mann – schlimmer noch, sie kann gar nicht (mehr) anders agieren und reagieren, weil Männer diese Geschichte kreiert haben. Der Mann sei, so die Grundannahme zum Patriarchalismus und Chauvinismus determiniert und wenn dann ein aus seiner Feder stammender Charakter etwas gegen die eigenen, feministischen Überzeugungen des Zuschauers tut, dann muss das eben am patriarchalen Mindset des männlichen Autors oder der männlichen Schöpfer der Geschichte liegen.

Ein solches Vorurteil macht vor allem alle weiteren Reflektionen über die tatsächlich dargestellten Ereignisse überflüssig – in der Philosophie nennt man dies Totschlagargument. Wozu noch einen Gedanken an mögliche Motive oder gar grundessenzielle Themen wie dem „Durchbrechen des Rades der Tyrannei“, von dem Daenerys mehrfach im Laufe der Staffeln sprach, und wie dieses erreicht werden könnte, nachdenken, wenn es doch so einfach ist: der Mann denkt, der Mann lenkt. Aber weitere Reflektionen würden natürlich ein weit höheres Maß an Anstrengung verlangen und vielleicht zu unbequemen Erkenntnissen führen, also hält man einem narrow mindset die Treue – die einfachen „Wahrheiten“ sind eben doch die schönsten und warum sich mit der Komplexität menschlichen Daseins beschäftigen?

Auf der oberflächlichen Ebene, und dies ist es, was so vielen Zuschauern nicht schmeckt, steht Daenerys als Massenmörderin dar. Sie erscheint aus dieser Perspektive jetzt nicht mehr „besser“ als so viele männliche Herrscher vor ihr in der Geschichte von Westeros. Darüber hinaus erscheint sie aus dieser Perspektive nicht mehr als role model für weibliche Herrscher oder politische Entscheidungsträgerinnen „in der wirklichen Welt“.

Lange Zeit habe ich geglaubt, dass es im Feminismus nicht zuletzt darum geht menschlich besser zu sein als Männer, die, wenn man allein das 20. Jahrhundert in Betracht zieht, einiges dafür getan haben abgewatscht zu werden, was allerdings eine unfaire und gleichsam unethische Generalisierung wäre. Doch wenn es im Feminismus darum ginge den patriarchalischen und chauvinistischen Auswüchsen in unserer Welt etwas entgegenzusetzen, ja etwas anderes, besseres zu schaffen, dann verstehe ich diesen immer wiederkehrenden, überaus engen Vergleich mit den Männern nicht; schlimmer noch, ich verstehe diese beinahe fetischistische Orientierung an patriarchal-chauvinistischen Männern und den von ihnen geschaffenen Strukturen nicht.

Ist der Feminismus, der keine radikal neuen Strukturen schafft, überhaupt Feminismus? Es genügt nicht ein Geschlecht gegen ein anderes auszutauschen und dann zu erwarten, dass in der Folge automatisch alles besser ist, obwohl an den zugrundeliegenden (patriarchalischen, menschenverachtenden etc.) Strukturen nichts verändert wurde. Was diese Art Feminismus offenbar allzu oft will, ist es, aus Frauen bessere Männer zu machen. Es geht auch bei Daenerys nicht wirklich darum, dass sie eine Frau ist und bleibt. Gegen Frauen gerichtete, verachtenswerte Stereotype, wie der Unsinn vom „Prämenstruellen Syndrom“, unter welchem sie angeblich leiden würde, so wie Diskriminierungen und Diskreditierungen von Frauen im Allgemeinen, werden überkompensiert, indem man nicht die Frau als Frau in Szene setzt und wie sie als Frau eine neue Ordnung erschaffen könnte, sondern die Frau, wie sie schlichtweg den Mann ersetzt, indem sie sich als der bessere Mann erweist. Die alten, von Männern gemachten Strukturen werden auf diese Weise aber kaum, wenn überhaupt, überkommen. Wahrscheinlicher ist es, dass sich die Strukturen, deren Spitze sich lediglich geschlechtlich verändert hätte, bloß verstetigen würden.

Muss sich der Leser des Artikels von Merve Kayikci, der durchaus zum Nachdenken anregt, mich zumindest zu diesen Zeilen, überhaupt noch wundern, dass die Autorin kein Wort über die bis in die fünfte Folge hinein amtierende Königin Cersei Lannister verliert? Gerade sie steht für nahezu all das, was das Feministenherz gemäß dieser Couleur begehrt. Cersei, die zweifellos von einem Mann gelernt hat, nämlich von ihrem Vater, ihre Mutter verlor sie bereits als Kind, hat jedoch ihren Vater und alle übrigen Männer bei weitem übertroffen. Sie hat aufmerksam von Männern gelernt, kennt die von Männern geschaffenen Strukturen der Macht und versteht es wie ein Mann zu herrschen, wenn es denn überhaupt so etwas gibt, wie eine maskuline Herrschaftsweise und -form, und nicht vielmehr eine machtorientierte menschliche Herrschaftsweise sowie -form.

Trotz oder gerade wegen ihrer Prägung hatte sie ihre sexuellen Gespiele oder „Sexsklaven“ – sie entscheidet, mit wem sie sexuelle Handlungen vollführt und geniert sich nicht, wenn alle wissen, dass sie eine inzestuöse Beziehung mit ihrem Bruder pflegt; sie hat es fertig gebracht einen frankensteinartigen, untoten Hünen von einem Krieger zu ihrem treuen Bodyguard zu machen; sie hat einen ruchlosen Gelehrten von unglaublicher kognitiver und perfider Qualität zu ihrer (rechten) Hand gemacht und sie hat den größten Freibeuter der Meere, der gleichermaßen gefährlich wie psychisch gestört ist, um den Finger gewickelt. Sie ist mit allen Wassern gewaschen, herrscht effizient und effektiv zu gleich und nach ihrer Pfeife tanzt eigentlich jeder in Westeros, egal ob Mann oder Frau. Wegen ihr geht Jon Snow mit seinem Himmelfahrtskommando in Staffel 7 hinter die Mauer um einen Weißen Wanderer gefangen zu nehmen – ein aus rationaler Perspektive durch und durch grenzdebiles Unterfangen; ihr frisst die erfolgreichste global agierende Bank aus der Hand; Menschen und ganze Herrscherhäuser sterben auf ihren Befehl hin, hängen folglich auf Gedeih und Verderb von ihr ab; (Söldner-)Armeen dienen ihr und letztlich diktiert sie, wann und wie Krieg geführt wird. Kein Charakter in Game of Thrones hat sich innerhalb des sozialen Netzes, das eines jeden Menschen Identität bestimmt, selbst Lebensregeln und -grenzen freier diktiert und diktieren können als Cersei. Sie diktiert genau genommen allen alles – ihr fehlen aus machtpolitischer Perspektive allein die Drachen ihrer Widersacherin Daenerys.

In Staffel 1 der Serie sagt Cersei voller Überzeugung, wissend, dass ihr schon damals kein Mann das Wasser reichen kann, zu Eddard Stark, der damaligen Hand des Königs: „When you play the game of thrones you win or you die. There’s no middle ground.“ (Sinngemäß: Wenn man das Spiel um die Macht spielt, gewinnt man oder man stirbt. Es gibt keinen Mittelweg.) Sie, die Frau, versteht nicht einfach nur die von Männern erschaffenen Machtstrukturen, sondern sie beherrscht das Spiel der Männer, mehr noch, sie diktiert den Männer fortan wie es gespielt wird.

Dass Kayikci Cersei nicht erwähnt, kann aber auch als Kritik am Charakter Cersei gewertet werden. Warum nun könnte Cersei doch aus einer angeblich feministischen Perspektive übergangen werden? Wahrscheinlich nur aus einem einzigen Grund: Sie war Mutter und weil sie – mehr als sich selbst – ihre Kinder liebte. Feminismus schmeckt leider allzu oft nach kinderverachtendem, lebensfeindlichem Vaginal-Egozentrismus, der den „Schwanz“ durch die „Möse“ ersetzen will. Ansonsten bleibt inhaltlich alles beim Alten; an den tatsächlichen strukturellen und gesamtgesellschaftlichen Problemen wird nichts geändert. Aus einer solchen feministischen Perspektive hatte Cersei eigentlich alles richtig gemacht. Sie war quasi der bessere Mann. Dumm nur, dass sie Kinder hatte und diese auch noch liebte, denn eigene Kinder disqualifizieren sie als role model eines lebensfeindlichen Feminismus – intellektuelle Influencerinnen eines, m. E. lebensfeindlichen Feminismus im 20. Jh. wie Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer hatten keine Kinder. Aber warum eigentlich? Warum disqualifizieren eigene Kinder in der Außendarstellung eine Frau als feministisches role model? Eben weil die Frau der bessere Mann zu sein hat. Und was können Männer nicht bekommen? Kinder!

In deutlicher Abgrenzung zu einem die patriarchalischen, lebensfeindlichen Machtstrukturen erhaltenden Feminismus, wünsche ich mir einen radikalen Feminismus – radikal ist aber immer nur die Liebe. Echte Liebe reduziert sich nicht auf das Selbst. Echte, nicht-solipsistische Liebe gibt vielmehr aus ihrer ganzen Fülle an alle anderen Menschen – hierin zeigt sich gleichsam ein verantwortungsvolles Einstehen für den Anderen. Kein Anderer kann aber einer Frau näher stehen als ein Kind, als das eigene Kind. Die Fähigkeit sich selbst annehmen und lieben zu können, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf das Kind, welches ein neuer, ein anderer Mensch ist, dem im Übrigen die Zukunft gehört, abfärben, und damit einen fundamentalen Beitrag leisten zu einer der Idee entsprechenden, rechtlich verfassten und sozio-ökonomisch gelebten Gleichheit in Freiheit – und zwar zum Wohle ausnahmslos aller Menschen. Was könnte feministischer sein als dies?

BEDENKEN SECOND IN ECHTZEIT

Heute geschieht alles in Echtzeit. Dinge werden in Echtzeit produziert und sind in Echtzeit erlebbar, ja werden in Echtzeit erlebbar gemacht. Ich kann beispielsweise mit einem Freund in Echtzeit chatten – ich lebe in Deutschland und er in Australien. Ich kann in Echtzeit Opern am anderen Ende der Welt beiwohnen ohne am Ort ihrer Aufführung sein zu müssen. Nächste Woche findet in meiner Wahlheimat Jena sogar ein Echtzeit-Architekturevent statt. Ich kann folglich erleben wie urbane Architektur geschieht. Und ich kann in Echtzeit erleben wie Politiker Blödsinn von sich geben.

Das Neo-Liberale keine „Ökos“ sind, mag niemanden verwundern. Dass die „Ökos“ oder Grünen, heute vielleicht sogar das Feindbild der Neo-Liberalen schlechthin darstellen, noch vor den Linken, wohl ebensowenig. Der politische Kampf hat heute mehr denn je etwas mit dem Image zu tun und aus welchen Gründen auch immer, gelten „Ökos“, Grüne und ihre Anhänger als gemeinhin von einem moralischen Impetus aus handelnd – grün denkende und handelnde Menschen stehen gemäß weit verbreiteter Überzeugung auf der moralisch richtigen Seite. Wie kommt man also denen bei, die quasi die moralische Correctness gepachtet haben, na klar, man deklariert sie einfach als „hypermoralisch“, so geschehen durch Christian Lindner auf dem FDP-Parteitag. Das funktioniert ungefähr so: Christian Lindner steht am Billiardtisch, macht die weiße Kugel  – die Betonung liegt auf weiß, was für (moralische) Unbescholtenheit stehen kann – als Feind aus, setzt an und bäm, kickt mit dem verbalen Ausbruch „hypermoralisch“ die Gutbürger mit dem blanken Image aus dem Zentrum der Betrachtung, aus dem Zentrum der medialen Aufmerksamkeit und der Gunst der Wähler. So funktioniert Parteikampf, der eigentlich kein Parteikampf ist, sondern ein ideologischer in Echtzeit. Und ob diese Art Taktik erfolgversprechend ist, darf bezweifelt werden.

Und sollte der Billiardtrick tatsächlich seine Wirkung verfehlen, so hat Herr Lindner noch mindestens ein Ass im Ärmel, natürlich gegen die „Ökos“, die Grünen, aber das versteht sich von selbst.

Ein As namens Populismus. Sich auf „eine vierköpfige Familie“ als Opfer von Öko-Politik einzuschießen, nämlich durch die Besteuerung des CO2-Ausstoßes mit 180 Euro pro Tonne, ist eher publikumswirksame Panikmache als reflektierte Politik. Umso mehr als dass der Liberale die eigentlichen Klimasünder weder in die Pflicht nimmt, noch mit Hilfe der eigenen kognitiven Fähigkeiten, die ihm sicherlich niemand abstreitet, sowie denen seiner Anhänger, den Grünen den Schneid abzukaufen trachtet, indem er ökologisches und liberales Wirtschaften zusammen vordenkt. Aber Pustekuchen – „Bedenken second“!

Dies gilt auch für die sogenannte „Absicherung ohne Gegenleistung“. Gemeint ist natürlich das „bedingungslose Grundeinkommen“ (BGE). Nun kann Herr Lindner nicht „bedingungsloses Grundeinkommen“ sagen, weil schon knapp mehr als jeder Zweite in diesem Land für ein BGE stimmt, also wird es einfach kurzerhand „Absicherung ohne Gegenleistung“ genannt. Diese kostet natürlich Milliarden – woher nehmen? Und dann auch noch für Menschen, die angeblich nicht arbeiten wollen? (Anm. d. Red.: Eine bodenlos freche Behauptung!) Wie verkauft man solch eine Chutzpe den „hart arbeitenden“ Firmenbossen, Finanzmogulen etc.? Beim Geld hört bekanntlich der Spaß auf, die Freundschaft sowie und leider auch das (Weiter-)Denken. Eine liberal wirtschaftende Welt von morgen mit BGE? Zukunft sozial, grün und liberal denken? No way – „Bedenken second“! Der zweite Teil des FDP-Wahlwerbeslogans von 2017 wird somit zum Hemmschuh kreativen, sozial-freundlichen und ökologisch-nachhaltigen Wirtschaftsdenkens.

Mindestens eine Weisheit hat Herr Lindner seinen Zuhörern allerdings doch anvertraut: Chinesisch lernen! Recht hat er. Und er geht mit gutem Beispiel voran. Denn dann kann er sich auch in die reiche chinesische Literatur vertiefen – zur ökonomischen und wissenschaftlichen Verständigung eignet sich das Englische deutlich mehr. Vielleicht stößt er sogar auf Kulturschätze wie das Tao-Te-King und wenn er dann mal wie jetzt in der Politik nicht weiterweiß, bleibt immer noch die Option dessen Weisheit zu befolgen: Rückzug aus weltlichen Angelegenheiten.

PARADISE NOT LOST – Über Götter, Menschen, Maschinen und Arbeit

Inūma ilū awīlum. „Als die Götter wie Menschen waren.“ So beginnt das etwa 3800 Jahre alte mesopotamische Epos Atraḫasis. Als also die Götter wie Menschen waren, da leisteten sie Zwangsarbeit. Diese Götter ertrugen die ihnen auferlegte und überaus große Plackerei. Und nochmals, als würde die einmalige Erwähnung nicht ausreichen, versichert das Epos dem Rezipienten, dass die zu leistende Zwangsarbeit schwer war und das Elend groß.

Nehmen wir einmal an, dass Sie der Rezipient dieses Epos sind. Stellen Sie sich vor, Sie sind nun ein Handwerker oder Bauer, der im Schweiße seines Angesichts in der sengenden Hitze ein Feld pflügt, dieses aussät und darauf angewiesen ist etwa dreimal jährlich die Ernte von diesem Felde einzufahren. Zwischen den Erntezeiten erflehen Sie inbrünstig den nächsten Regen. Und nun erzählt ihnen jemand eine Geschichte davon wie es war als die Götter wie Menschen waren. Was werden Sie denken? Vielleicht werden Sie die Nase rümpfen und Gedanken wie „was wissen diese Götter schon von echter Arbeit“, werden in Ihnen aufsteigen. Und weil Nūr Ajja, der Autor – möglicherweise auch nur der Schreiber – des Atraḫasis, vielleicht gerade den skeptischen, seine Nase rümpfenden Zeitgenossen vor Augen hatte oder einst gar dasselbe gedacht haben mag als er die Erzählung vielleicht in gleicher, vielleicht in anderer Form vernommen hat, fügte er minutiös an, was diese Götter, die wie Menschen waren, alles zu leisten hatten.

Die Götter gruben Wasserläufe, schufen folglich Kanäle zur Bewässerung des Landes. Denken Sie sich nun: „Nicht spektakulär genug…“? „Das kann ich auch!“, möchten Sie selbstsicher hinzufügen? Ja, aber haben Sie schon mal einen Fluss ausgehoben vom Format des Tigris, der eine Länge von 1900 Kilometer misst und aus dem durchschnittlich pro Sekunde mehr als 1000 Kubikmeter Wasser abfließen? Dagegen wirkt Rest, sprich das Öffnen von Wasserquellen und der Bau von Brunnen, in etwa wie das Errichten von Kleckerburgen durch Kleinkinder am Strand. (Als einsichtiger Leser, der sich seiner menschlichen Begrenztheit bewusst wird, schweigen Sie und lesen weiter.) Dass die Götter auch noch die Berge aufschütteten mag Sie jetzt nicht mehr schockieren – es sind wohl doch Götter und keine Menschen.

Des Weiteren werden Sie sich vermutlich fragen, inwiefern die Götter nun eigentlich wie Menschen sind bzw. was jene diese werden lässt. Die Antwort ist ebenso einfach wie polemisch: es ist ihre Plackerei, ihre Arbeit, über die sie nichts weiter vermögen außer zu jammern! Die Menschen, also genau genommen die Götter, sind Menschen, weil sie arbeiteten. Und eben weil sie arbeiteten, beschwerten sie sich und verurteilten in Folge dessen ihr Dasein. Und so nimmt es nicht wunder, dass sie, die arbeitenden, sprich niederen Götter gegen den Ratgeber der (hohen) Götter namens Enlil konspirierten. (Was eine recht freundliche Umschreibung dessen ist, was wir in marxistische Terminologie gekleidet wohl als Revolution des Proletariats gegenüber der Bourgeoisie bezeichnen dürften.)

Ohne weiter auf den Fortgang des Epos Atraḫasis einzugehen, darf also festgehalten werden, dass im Horizont einer der ersten Hochkulturen der Menschheitsgeschichte Götter wie – nicht zu – Menschen werden, wenn sie denn arbeiten müssen. Im Umkehrschluss werden die wie Menschen seienden Götter zu Göttern erst in dem Moment da sie sich von der Arbeit befreien können. Die Parallelen mit der heutigen Zeit drängen sich deutlich auf: Die höheren Götter sind die Firmenbosse global operierender Unternehmen, die niederen Götter hingegen, die oft sehr hart arbeitenden normalsterblichen Massen auf diesem Erdenrund.

Szenenwechsel. Ein anderes, wesentlich berühmteres, aber dem gleichen Kulturraum entsprungenes Epos degradiert die Götter nicht auf das Niveau von Menschen. Vielmehr wird dort der Mensch im Bilde Gottes geschaffen. Oder liest man die für das Wort „Gott“ gebrauchte hebräische Pluralform, nämlich Elohīm, gegen den Strich, wird der Mensch im Bilde der Götter geschaffen. Der Mensch in diesem Epos – Sie ahnen sicherlich schon welches – ist also wie ein bestimmter Gott oder vielleicht auch wie viele Götter geschaffen worden, welche dann allerdings, anders als im Atraḫasis, in Einmütigkeit den Menschen erschufen. Die Aufgabe des im Bilde Gottes geschaffenen Menschen ist es jedoch, wieder anders als in seinem altorientalischen Gegenstück, nicht zu arbeiten. Warum auch? Immerhin ist sein Schöpfer gerade kein Arbeiter, geschweige denn ein Workaholic. Er schafft alles in sechs Tagen, danach wird geruht – bis heute.

Der erste Mensch, der also im von Gott bestellten, üppig blühenden Garten inmitten einer Steppe das beschauliche Leben eines Müßiggängers führen darf, verscherzt es sich unglücklicherweise mit seinem Schöpfer, wird daraufhin aus diesem irdischen Paradies vertrieben und muss fortan im Schweiße seines Angesichts das Feld bestellen – paradise lost. Nach biblischer Vorstellung macht der Mensch also nunmehr exakt das, was den Menschen gemäß altorientalischer Vorstellung überhaupt erst zum Menschen macht: Der Mensch arbeitet von früh bis spät und zwar bis er selbst wieder zu Erde wird, sprich irgendwann sein Leben bei der Plackerei aushaucht und zu Grabe getragen wird. Glücklich jene, die lebendig das Renteneintrittsalter erreicht haben und die letzten Jahre ihrer irdischen Existenz nicht noch darauf angewiesen sind sich etwas hinzuverdienen zu müssen. Es werden immer weniger.

Welche Lehre im Sinne einer „Utopie“, dem Mantra der Futurologen unserer Zeit, sollen wir aus diesen beiden Epen alter vorderasiatischer Hochkulturen ziehen? Sicherlich mindestens eine: Insofern die Menschen ihr Menschsein als arbeitende Lebewesen überwinden und selbst zu Göttern avancieren wollen, müssen sie Wesen erschaffen, die sie von der Plackerei befreien und an ihrer statt arbeiten werden. Der Mensch ist also nicht auf ewig dazu verdammt sein Dasein als homo laborans zu fristen, jenseits des Paradieses.

Nach der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies, aufgrund seines unrechtmäßigen Verzehrens der Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, setzte Gott alles daran ihm eine weitere Frucht zu verwehren, nämlich die des Lebensbaumes. Der Mensch nun „Einer von uns“, wie Gott konstatiert, quasi ein moralisches Wesen, sollte nicht auch noch ewig leben. Also schickte dieser jenen fort und ließ den Garten mit feuriger Klinge beschützen. Seitdem fristen die meisten Menschen ein Leben in Plackerei. Nur einige wenige Menschen vermochten es bisher und dann häufig auf Kosten der unzählbaren Masse sich ein eigenes kleines Paradies zu erschaffen. Lesen wir diese beiden Epen eines gemeinsamen Kulturraumes zusammen so können wir festhalten, dass der Mensch aufgrund seiner Arbeit zum Mensch wird, seinem Wesen gemäß sich allerdings nicht darauf reduzieren (lassen) muss. Des Weiteren, dass der Mensch ein moralisches Wesen und sterblich ist, auch wenn die Unsterblichkeit ein seit Menschengedenken existenter Traum ist – niemals war die Verwirklichung dessen greifbarer als damals im Paradies.

Es wird Zeit, dass der Mensch Maschinen schafft, wie einst die Götter den Menschen. Vielleicht ist es trefflicher zu sagen, dass er Maschinen schafft und schaffen wird, die Maschinen hervorbringen, so wie Gott den Menschen schuf und dieser fortfolgend Menschen hervorbrachte und noch immer hervorbringt. Schlussendlich muss nur noch die Einsicht wie ein Samen gedeihen, der umschlossen ist von fruchtbarem Grund, dass die Plackerei des Menschen kein unausweichliches Schicksal darstellt und die Maschinen den Menschen ersetzen können.

Eine künstliche Intelligenz mag dann in Form von Bits und Bytes von einer Geschichte Zeugnis ablegen, das erste digitale Epos hervorbringen und vielleicht wird es den Namen Atraḫasis tragen. Und ganz gleich ob die KI die Ereignisse dieser Geschichte, die Mythen und Legenden, wohl verwahrt in einer eigentümlichen Sprache, erlebt hat oder auch nicht, sie wird sie bestimmt mit den Worten „als die Götter noch Menschen waren“ beginnen lassen – paradise not lost.

ES GIBT

Es gibt – il y a. Da ist etwas – etwas, nicht ein Jemand, bestenfalls ein Niemand, mindestens aber nichts (oder niemand) Konkretes. Ganz und gar unpersönlich ist diese Feststellung des „Es gibt“. Sie ist integraler Bestandteil der „Sprache des Man“. Die Sprache des Man ist die „Sprache der Eigentlichkeit“. Sie steht sinnbildlich für unsere Zivilisation. „Man kann/soll/darf/will dieses tun“ oder „man kann/soll/darf/will dieses nicht tun“. Eines sticht ganz deutlich heraus: Es wird weder von ich, du, wir oder ihr gesprochen; es heißt folglich nicht „ich kann/soll/darf/will tun“ oder „du kannst/sollst/darfst/willst tun“ oder „wir können/sollen/dürfen/wollen tun“ oder aber „ihr könnt/sollt/dürft/wollt tun“, sondern „man kann/soll/darf/will tun“.

In einem konkreten Beispiel sieht dies folgendermaßen aus: Person X spricht zu Person Y: „Man könnte einmal den Müll herausbringen.“ Es heißt „man könnte […] herausbringen“ und nicht „Person Y, (bitte) bringe heraus!“ In einer solchen Konstruktion, sprich in der des „Man“, adressiert Person X Person Y schlichtweg nicht – zumindest nicht in Ihrer Personhaftigkeit. Es liegt in der „Sprache der Eigentlichkeit“ keine direkte Kommunikation vom Einen zum Anderen vor. Vielmehr wirft Person X ihr Interesse in den Raum und zwar gemäß der Form auf ganz und gar unpersönliche (Artikulations-)Weise, also nicht in der Weise direkter sondern indirekter Adressierung. Der Andere, nämlich Person Y, wird dabei auf den Status eines „etwas“, auf den Status eines „es gibt“ reduziert. Person Y ist mindestens in der Sprache von Person X kein menschliches, kein personales Subjekt (mehr), gegenüber dem sich Person X als Mensch, als wiederum personales Subjekt, menschlich verhält, noch verantwortlich weiß. Die Verantwortung gegenüber dem Anderen (Person Y), wozu sowohl die Wahrnehmung als auch das Einstehen für diesen als anderen Menschen zählen, sowie den Auftrag, nämlich den Müll herauszubringen, adäquat zu adressieren, wird durch Person X nicht übernommen.

Dieses Beispiel ernstgenommen, handelt es sich im Falle der „Sprache des Man“, sprich in der Sprache der Eigentlichkeit, tatsächlich um die totale Entpersonalisierung des Anderen. Das Individuum, der Andere, verschwindet im „es gibt“. Der Andere – ein anderer Mensch – wird auf ein „man“ reduziert. Nicht länger geht es um ein „Ich“ oder ein „Du“, nicht um ein Bubersches Verhältnis von Ich-und-Du, nicht um ein Levinassches Verhältnis von Ich-und-dem-Anderen, oder im Falle der eigenen und fernen Anderen um ein „wir“, „ihr“ oder „sie“. Das „Es gibt“, dieses in deutscher Mundart so unschuldig wirkende Wörtchen „man“, ist die sprachliche Totalisierung der Andersartigkeit des Anderen, quasi die sprachliche Vernichtung all dessen was den Anderen anders macht als das Ich, von dem diese den Anderen auf ein „man“ reduzierende Sprache ausgeht.

Beim Gebrauch des „Man“ handelt es sich um die Vernichtung eines unendlichen Abstandes zwischen Ich und dem Anderen und damit folglich auch um die Vernichtung des zwischenmenschlichen Verhältnisses. Im „man“ verschwindet die personale Wirklichkeit des Anderen, die das Ich nicht voll begreifen kann, aber dies aufgrund der Objektivierung des Anderen nicht nur vorgibt zu tun. Es verschwindet etwas entscheidend Menschliches, dass anders ist und sein muss als ein Objekt unter Objekten. Und es verschwindet nicht allein die menschliche Wirklichkeit des Anderen, sondern es verschwindet auch, und dies ist ebenso bedenkenswert, in der Reduzierung des zwischenmenschlichen Verhältnisses auf ein impersonales „man“, das eigentlich personale Moment des Agens, das wahrhaft Personhafte des Ich, welches stets und ausschließlich in Abhängigkeit vom Anderen steht – ohne den Anderen, kein Ich, in der Reduktion des Anderen auf „man“, verschwindet auch das Ich.

Die „Sprache des Man“, die Sprache der Eigentlichkeit, ist eine homozidale Sprache, eine den Menschen mordende Sprache. Nach diesem Morden des Menschen, das vor keinem Menschen halt macht, sprich ein Morden aller Menschen ist, wird zuletzt auch derjenige gemordet, welcher den Homozid mit der Verwendung des „Man“ überhaupt erst beging. Die Sprache der Eigentlichkeit ist ein Mord aller an allen, der auch vor dem Ich keinen Halt macht. Im Moment des Vollzugs der Ermordung alles Personalen, alles authentisch Menschlichen, welches in der Andersartigkeit des Anderen begründet liegt, mordet sich derjenige, der „das Man“ in die Welt trägt folglich selbst. Die Totalisierung des „Man“ ist Mord an allem Personalen, Mord an allem Menschlichen, somit ultimativ auch Mord am Selbst – die Reduzierung des personalen Selbst auf ein impersonales, das Ende aller Relationen, sowohl zum Anderen als auch zu sich selbst, muss daher als ein nicht-biologischer Selbstmord begriffen werden.

Das Personale steht für die Fähigkeit auf die Anrufung durch den Anderen zu antworten und damit auch dafür Verantwortung für den Anderen zu übernehmen. Antworten zu können und daraufhin Verantwortung übernehmen zu können, gelingt nur in einem tatsächlichen zwischenmenschlichen Verhältnis, in einem Ereignis, dass ein Angesprochenwerden des Ich durch den Anderen oder umgekehrt bedeutet. Das zwischenmenschliche Verhältnis muss sich folglich jenseits des „Es gibt“ bzw. jenseits des „Man“ ereignen. Nur jenseits des „Es gibt“, gibt es ein „Ich“, gibt es ein „Du“, gibt es lebendige, authentische zwischenmenschliche Beziehung. Wahres Menschsein, welches sich in der Übernahme von Verantwortung zeigt – ein Antworten, über hinaus, auf die (An-) Frage(n), auf die Bedürfnisse des Anderen –, gibt es folglich nur jenseits des Unpersönlichen, jenseits einer „Sprache des Man“.

THE SACRED FEMININE

There is arguably a lot to hate about Facebook. I am thinking of tracking people’s online activities for mere capitalist interests. I am thinking about the manipulation of people’s minds by feeding them with certain informations and by doing so having an influence on major elections—just think of the Brexit or the last presidential elections in the US.

But I have to confess, that to a certain degree I still like Facebook. In fact, I like Facebook, because I am constantly tracked. Call me crazy, but because of being tracked I sometimes get very interesting recommendations of groups and articles on Facebook. I wouldn’t be aware of their existence without being tracked. I don’t know in detail how those ingenious algorithms work, but I know that they often do. Today they worked. I discovered a Facebook group called חכמת נשים, literally “Wisdom of the Females.”

“Wisdom of the Females” posted the picture of a poster portraying “the Kotel Plaza.” The Kotel is the so-called Western Wall in Jerusalem’s Old City and the plaza is the relatively huge square in front of it. On this very poster, the females have been ‘eradicated’ by being painted over with a spray can. Surely, this can easily be understood as an act of misogyny. In certain branches of Judaism, the extreme or fundamentalist one’s, females should not be looked at, if it is not your own wife or female child—not even accidentally. Therefore, since the age of the Rabbinic sages, males and females have to be separated. According to the orthodox, in public transportation services males sit in front, while females sit in the back; in Synagogues females sit either on balconies, opposite to the direction of prayer, or they sit behind a mechitzah, a physical, mostly wooden partition of the room; males and females should not walk on the same sidewalks. Wherever men gather, especially in order to direct themselves towards the divine, the presence of the feminine has to disappear from the male perception.

Surely, this can easily be understood as misogyny, and if it isn’t misogyny, one at least has to find the answer to several deriving questions. Just to name a few: Why are men so easily distracted by females? Are women not also attracted by the physical appearance of men? If that’s the case, why are men all the time being literally on display, even while they are dancing in the Synagogue, which surely must have an arousing effect on some women?

Well, I do not intend to answer questions like these nor do I want to argue either for or against the interpretation of the separation of males and females as an act of misogyny. Instead I want to suggest an alternative reading of this phenomenon of the isolation of the feminine.

Whatever the female appearance might induce in man, the prohibition of looking into female face, the prohibition to encounter the female visage in a Levinassian sense, is not a singular one in the Ancient Israelite and Rabbinic-Jewish tradition. According to Ex 33:20, Moses, venerated by Jews until today as “our teacher” and the prophet in the Hebrew Bible who was as close to God as no other prophet, was not allowed to look upon the face or visage of God. “And he (God) said: ‘you cannot see my face, for man shall not see me and live.’” (ויאמר לא תוכל לראת את־פני כי לא־יראני האדם וחי) And like Moses before, the High-Priest was prohibited of glancing at God’s appearance—that’s why he had to fill the Holy of Holies with smoke before addressing God on Yom Kippur. No human creature is allowed to see God’s face.

Hence, is it not surprising that the only other thing man is prohibited from looking at, or to be even more precise: males are prohibited from looking at, are females? Is it imaginable that the feminine visage has the same status as the divine? Could the feminine image be as sacred as the divine image? That might be the case. At least there is quite some effort taken to isolate the feminine face or feminine visage as much from ordinary everyday life as was taken to isolate the divine visage in ancient times or to isolate the Torah, the divine revelation written upon a scroll, having a divine status. In a strict sense you could say that you are not just prohibited from looking into the feminine face, but that you cannot simply look into the face of the sacred feminine and expecting to henceforth keep on living one more moment among your people without atonement. Or to put it differently: looking upon the sacred feminine means to die in front of the divine. Therefore, I would argue that the female face has the same status as other incarnations of the divine and that the archetype of the sacred feminine manifests itself in every (Jewish) female being.

So yes, there is a kind of gender inequality existing in certain branches of Rabbinic Judaism, there are (ordinary) men and women, the living embodiments of the sacred feminine.

LIVING IN STRANGE TIMES

Sometimes I wonder which times we live in? According to the Slovenian enfant terrible of modern-day philosophy, Slavoj Žižek, we are living in the end times. A rather reserved claim compared to American political scientist Francis Fukuyama, who declared already in 1992 “The End of History.”

To me time is strange. I mean, time not just as a philosophical or physical concept, but the actual time we are living in—our time, the here and now. So to be more correct: our time is strange. Well, I admit that “strange” is a strange word. Of course, I use the word “strange” in order to label something I have no words for or circumstances I can’t really explain. Adding the word “strange” to a phrase functions like an audible pause like a sigh, combined with a facial expression of consternation, infused with a pinch of indignation. Watching the news or following the media these days often leaves me like this.

You have probably heard of Swedish climate activist Greta Thunberg, who founded the initiative “Fridays For Future.” Greta Thunberg got pretty famous by now. Time magazine listed her among the 25 most influential teenagers of 2018. She and her followers, foremost pupils, are on protests every Friday, walking down city-centers and therefore are skipping school. Last Friday she was marching in Germany’s capital Berlin. The intention of those weekly demonstrations is widely known. The young generation wants the adults, especially the politicians to act worldwide.

Protesting in Germany, Ms. Thunberg could strike two flies with one stone. She not just defended her cause far from home, but also received a German award called “Goldene Kamera” or golden camera—the German version of the Golden Globe Award. Just to make this clear from the beginning: I am not one of those haters, who are spilling their disdain over the 16 year old activist. Since nearly every action, product or entertainment today is rewarded in one way or the other, so why not an activist with an ethically very valuable motive? Hence, from my point of view, neither Greta Thunberg nor what she’s doing or standing for is strange. But something rather strange happened after she received the award. A German actress, not much older than Greta Thunberg, who also won one award that night was given a SUV from Volkswagen.

“What?”, you might ask in doubt. “Is that true?” Yes, it is! In today’s Germany, in one and the same event, it is possible to award a climate activist for her effort to raise awareness of the necessity to intervene in any further polution of the environment by carbon dioxide emissions and to give away a huge car, which is obviously anything but environmentally friendly.

According to my understanding, the apperent hypocrisy is anything but a coincidence. So why do we do it. Of course, not everyone of the over 80 million German inhabitants voluntarily gave or would have given the award to Ms. Thunberg nor the SUV to the actress. Still the media event represents in a surprisingly crisp and crystal-clear way how we think and act.

Under the dictate of today’s moral tyranny we not just like to pamper our moral self by giving awards to teenage girls with serious agendas, but we are forced to do it—regardless of whether we want this by conviction or not. Being morally right on the surface is what is expected of us, but nothing we have achieved by intensive reflection on what is morally right or at least justifiable and what isn’t. Therefore, the moral surface doesn’t say anything about our actual or moral attitude, but it makes us unassailable, since ostensibly we are standing on the right side of the public moral code, which is in fact the previously mentioned moral tyranny of our age.

Part of today’s moral tyranny is the perception that the older generation did basically everything wrong. The youngsters claim that the old gamble away their future. The older you are the more wrong you must be. I might be exaggerating, but isn’t it strange that the protesters of “Fridays For Future” are not in general asking themselves how their actions cause carbon dioxide emissions, which obviously happens everyday by using smartphones, tablet PCs, Computers, gaming consoles, etc.? The truth is, we, the young and the old and those in between, are all part of the same game.

Isn’t it strange that “Fridays For Future” doesn’t mean ‘let us be different tomorrow or in the distant future than the old of today?’ This resembles a lot the generation of 1968, which according to the historian David Engels hated a thousand years culture and to a certain degree themselves, I would add. Back then, the young protesters stood up against the Fat Cats of their time. But did they knew back then, that they eventually will become the Fat Cats of tomorrow? In fact some of them did. Some of the activists of 1968 became those Fat Cats “Fridays For Future” is more or less directly protesting against today. Our times are strange.

The strangest thing about the strange is, that once you’ve noticed that there is something strange around you—though not necessarily close to you—, you’ll be stumbling over the strange everywhere. Yesterday I have read about an assistant medical director in a German hospital, coming from the Middle East, insisting on only operating with males. The outrage is huge—not really surprising, if you take into consideration the en vogue moral attitude of the public. “How can he be such a chauvinist?”, one might ask. True, it totally taste like gender inequality. But before burning him publicly at the stake, we should take a step back—at least for one moment. The strange part of modern moral tyranny, as I’ve called it before, is the of everyone expected unconditional respect towards every culture, which includes religions, and race, if you still think in this category—you better don’t, since all man are equal. Surely, all man are equal and there is no higher or lesser, no good or bad culture—cultures are equal as well (Oswald Spengler). But, and that’s the point, they are equal but not the same. The moral tyranny of today demands at least two unreconcilable requests, namely gender equality and unconditional tolerance towards every culture but one’s own. The former (gender equality) is unfortunately in most of the case being reduced to a quantitative level and not a qualitative one—this is often overlooked by activists and politicians, including feminists; while in the eyes of the advocates of moral tyranny the latter is only wonderful on the surface and as long as it works according to their, the modern-day moral tyrants demands. This is in fact nothing else but orientalism, disguised in new fashion.

Or to put it differently: “Everything about you—you in your otherness, you the foreigner, you with your different ‘background,’ you with your different culture—is wonderful, marvelous, but of course only as long as you are like us! Your difference has to match our identity.”

Our times are indeed strange.

(PHILOSOPHICAL) REFLECTIONS ON THE ISLAMIC PILGRIMAGE

The following text is some kind of experiment. There are philsophical reflections on basically everything, but there is still little compared to the size of the religion reflected here, namely Islam. Since I am not a representative of Islamic Theology (kalām), I neither present any school of Islamic thinking nor school (madhhab) of Islamic law (fiqh). By reflecting on Islam I hope not to hurt anyones feelings and I am fully aware of the fact that the following relatively short text is unable to do Islamic thinking any justice at all. Still, I hope to encourage people to reflect on all the fascinating aspects of the second largest religion in this world and share their ideas.

PART I – the Tawāf around the Ka‘bah

(Although I do not intend to write about the following topic from a scholarly perspective, I guess it is important to provide some information for the reader, since the reader might not be all too familiar with the topic and its context.)

At the center of Sunni Islam there exist five essential concepts one should follow, which are called pillars or arkān. Those pillars are no decrees you have to believe in, but things you are obliged to do. One, to be exact the fifth of those pillars of Islam is the seven days long pilgrimage, in Arabic hajj, in and close to Mecca—the other pillars are the confession (shahādah), the prayer (salāh) five times a day, the alms-giving (zakāh), and the fasting (sawm) during the month of Ramadān. This pilgrimage should be done once in a lifetime by every adult Muslim, no matter the age or gender, who is physically and financially capable of going on this journey to the harām ash-sharīf, the holiest place in Islam. Once you reach the harām, you will find in its center a nearly 50 feet (ca. 15 meters) high building, which looks like a cube and therefore is called “cube” or Ka‘bah. The Ka‘bah is made of volcanic stone and shrouded in a black veil, embroidered with passages from the Qur’ān in gold. Built into its structure on the Ka‘bahs eastern edge one finds a black stone, probably a meteorite—the meteorites frame is made of silver.

In pre-Islamic times, Muslims until today call this era pejoratively jahiliyya, the time of ignorance, the Ka‘bah was the house of many Arabian gods. After Muhammad along with his followers conquered Mecca in 630 CE, the year eight according to the inner-Islamic calculation of times, he emptied the Ka‘bah, which means that he removed all of the 300 pre-Islamic gods or from a Muslim perspective, idols. According to tradition, after the Ka‘bah was emptied and purified, only an icon of Maria (Maryam) with her baby boy Jesus (‘Isā) remained. From the Muslim perspective, the Ka‘bah was ever since the house of Allāh, the Arabic word for God.

Like in pre-Islamic times, the whole complex of hajj’s rituals, starts with the so-called tawāf, a seven times counter clockwise circling around the Ka‘bah, which is a kind physically expressed focus on something particular. If there is something like a local center of Islam—originally Jerusalem until the second half of the 620s—then it is the Ka‘bah and not just once in a lifetime, but in fact five times a day during prayer. This means where ever you as an observant Muslim are on planet earth, Antarctica or Europe, Asia or America, Africa or Oceania, you are directing yourself towards Mecca for prayer. The caput mundi for Muslims, the capital or center of the world, is neither Jerusalem nor Rome as each of them is for Jews and Christians, but the Ka‘bah in Mecca. Interestingly, the Ka‘bah does not loose its gravitational pull the moment the observant Muslim comes as close to the black veiled cube as to be able to touch it. What I mean by this is that the focus on the Ka‘bah remains while circling around it. But at the center of this center, there is nothing, the inside of the Ka‘bah is empty. Of course, according to Muslim tradition, the Ka‘bah is the house of God, but God is neither living inside the Ka‘bah in a literal sense nor condescending right in it. In a strict sense this means, that there is nothing. There is nothing inside, which does not mean that there is nothingness. Following Emmanuel Levinas (Dieu, la Mort et le Temps 1993), nothingness is inevitable bound to being: “All nothingness is the nothingness of something—and this something of which nothingness is nothing remains thought.”

As I said before, according to the Muslim tradition, the Ka‘bah is—and remains—the house of God, although God is neither living inside the Ka‘bah nor condescending inside of it. To put it simple: God is not there! Therefore, the Muslim, who is focusing him- or herself on the divine during prayer five times a day all year long or by doing the tawāf is doing so by directing him- or herself towards nothing, which is the void inside the Ka‘bah. Again, there is nothing, but there is not nothingness. Hence, by focusing on a locality, which is is fact a space for nothing objectifiable or if you like to personate it, no one objectifiable, one might to come the conclusion that the Muslim focuses on nothing. But since there is also not nothingness, in fact the Muslim directs his focus towards something, namely the Ka‘bah, so there is something, which is the veiled “cube” (Ka‘bah) and there is even more, which is the void of the inside of this unique cube. There is not nothingness, because in the moment of directing the focus towards this particular cube and its interior, the human intentionality is being carried away by something which is not there. This is only possible, if there is something to be inherent in the Ka‘bah, which is the trace of what is not there, or the trace of the one not being there. Or to put it differently, Allah—God—left a trace in a particular empty place, which he, according to tradition, had chosen. And the trace God left behind, leads the Muslim to search for God or to search for the trace of God, maybe not even consciously knowing that he or she is searching for it. Again, God is not being present, no matter what, apart from the trace he left.

Some might think, what kind of outrageous sacrilege is this, but it isn’t. In fact, by making it plain that the Ka‘bah is empty, that there is nothing inside, the Islamic religion immunize itself against every worldview, which assumes that God is a product of man or an object among objects. But in order to not just underline the otherness of God, but also in order to protect his sovereignty as creator, God cannot be a material part of the world he, according to tradition, created. And that is why it is impossible to encounter him somewhere in this world, which includes the most holy sanctuary of Islam—the Ka‘bah.

PART II – Sa’y

Following the tawâf around the Ka‘bah, the second main element of the hajj is called sa‘y, the seven times walk, rather a run, between the hills as-Safā and al-Marwa. It is said that Hājar,the biblical Hagar, the maiden of Sarah, Abrahams first wife, were out there in the desert, struggling to find water for her boy Ismael and herself after being forced to leave Abraham, with whom she had Ismael, and his tribe. Did Hājar walked seven times between those hills? Probably not! Seven is not a number, which should be taken literally—neither in the context of the Bible nor the Qur’ān. Things someone does seven times, or things lasting for an amount of seven aren’t meant to be taken literally. Rather “seven” means that something is to be done relentlessly, incessantly, ongoing, maybe even forever. Seven or a number made of seven, like seventy, means to be numerous.

Hence, the run between those two hills,u is not just a seven times run between two particular hills somewhere in the desert—it is not just to be taken literally, nothing to be done just seven times and then it’s done. The seven times running between those hills in a dry, life threatening, life rejecting environment, is teaching the one doing sa‘y what a huge part of life, especially in the desert, in the homeland of the Prophet, was and is about: Life is a relentless, ruthless and merciless struggle for survival and if you are persuaded that everything there is is governed and judged by the will of the divine creator, God or Allāh, the only way to survive is by the help of him. God either protects man and guides them out of their momentary misery to the well of life-sustaining water or ones life is forever forfeited.

But there is more to it. In a certain sense sa‘y could also be understood as the symbolic walk or rather the run fī sabīli llāh—on the path of God. According to Muslim tradition, there is only one right path in life to be taken, a straight path, given by God to man, so he won’t get astray as myriads of people before. Later this path will be codified, not in the literal sense of the word—there was no real codification. Therefore, we might call it an uncodified codification, which is widely known as the sharī‘ah, the divine law or the will of God for man to live on planet earth. Translating sharī‘ah literally into English is hardly possible. But you can try to convey the sense of it, which is the path to the water hole. Therefore, the Arabic root of the word, namely “sharaa” is to “penetrate into the water hole.” Not a momentary water hole, but a permanent one. Permanent water means to survive, means to live. Walking the straight path, given by God, is what it means to follow the sharī‘ah, following the sharî´ah means to walk the path to life. Walking on the right path, the path to the permanent water hole is meant to be ongoing, nothing to be done for a limited amount of time, but for as long as the time one is given to in dunya, the here and now. Running between as-Safā and al-Marwa is to remind the muhajjirûn, those who are on the pilgrimage, that life is an endless struggle and that following the path to the permanent water hole is a struggle as well, is struggle for ones whole life. But it also holds a promise to the one being on the right path, namely to be rewarded at the end and never be abandoned by God, who not just created man, but who is the only one who sustains man, keeps him alive, like he did for Hājar, and grants eternal life.

PART III – ‘Arafāt

As the nearly life-long struggle on the path to the permanent water hole is not the end of the human being, so isn’t sa‘y, the running between the hills as-Safā and al-Marwa, during the hajj. After someone passes away, a new path unfolds for him. According to Islam, death is not the end of everything related to the one, who passed away. Instead, the mu’min, the believer’s goal is to achieve jannatu llāh, the garden of God. But now he has to stand trial and is in dire need of God’s forgiveness. If divine judgement is in his favor, he will proceed to heaven, otherwise he has to endure punishment for earthly sins in jahannam—hell.

BThis passing from dunyā, the here and now, to al-‘âkhirah, the hereafter, is resembled by walking from Minā, nearly 5 miles in the east of Mecca, to a place called ‘Arafāt through the valley of Muzdalifah—another 9.3 miles away. The mu’minūn’s, the believer’s, goal is a particular mount called Jabal ar-Rahmah—the mount of mercy. On that very mount, the believers are standing, dwelling (wuqūf), waiting for the divine mercy to unfold. To enter paradise, the garden of God, one is in need of God’s forgiveness. The heavenly reflection of the longed for forgiveness of God in the hereafter is to be found on earth on the Jabal ar-Rahmah. Since every able Muslim should go on hajj once in life, every Muslim is at least once in life able to achieve God’s forgiveness. This is an important relict of a distant past. The entanglement of a pilgrimage and divine forgiveness was already existent in Ancient Israel, when the people traveled to the temple on a mountain in Jerusalem, spending the “Day of Atonement”, self-flagellating by fasting and praying for forgiveness, watching the high priest sacrificing animals, an element also being part of the hajj, and sprinkling its blood in the Holy of Holies—ritually atoning for the peoples’ transgressions. Achieving atonement or God’s forgiveness was the only possible option to get back into the order of life, once commanded by God in form of the Torah, in Arabic Tawrah, which was transgressed by man’s sins.

Once man intentionally or just by accident left the straight path to the permanent water hole, all he can do is to beg for God’s forgiveness. Hence, willingly dwelling in absolute passivity on the mount of mercy, waiting for God to grant forgiveness, reveals man’s absolute dependence on the divine and its judgement. Or in other words, it reveals man’s inability to buy himself a permanent residence permit for heaven. While waiting on the mount of mercy, for man time and space become meaningless. In that sense, the event on Jabal ar-Rahmah reveals the fundamental structure of the relation between the (human) creature, waiting for forgiveness and its creator, able to forgive because of his mercy. This structure is one of an ontological hostage-ness.

GOETHE, BÖRNE & DIE JUDEN – Restauration & Freiheitsstreben zwischen Aufklärung & Vormärz

Aufklärung und Freiheitsstreben. Die Situation der Juden am Übergang der frühen Neuzeit zur neueren Geschichte, genauer gesagt vom 18. ins 19. Jahrhundert, war so kontrastreich wie das Judentum jener Zeit. Das 18. Jahrhundert, oft auch als Jahrhundert der Aufklärung rezipiert, strebte nach einer Reform, in einigen Fällen auch nach der Revolution des Gesellschaftssystems – zu denken sei hier an den Unabhängigkeitskrieg der dreizehn Neuenglandstaaten gegen das Mutterland Großbritannien (1775-1783) und die Französische Revolution (1789-1799). Zeitlich zwischen diesen beiden politischen und gesellschaftlichen Großereignissen zu verorten, versuchten berühmte Philosophen wie Immanuel Kant (1724-1804) und Moses Mendelssohn (1729-1786) mit ihren Schriften die Frage zu beantworten, was Aufklärung sei und damit einhergehend die Vorlage zu schaffen für den Weg des Menschen zum aufgeklärten Bürger. Dazu musste dieser aus seiner – bei Kant selbstverschuldeten – Unmündigkeit befreit werden. Sie forderten eine Intellektualisierung des Individuums und ein politisches System bzw. einen aufgeklärten Staat, der dem Menschen gerecht wird. Zweifellos schienen sie einen Umsturz der überkommenen Weltordnung durchsetzen zu wollen. Nunmehr standen Termini wie Naturrecht, Gesellschaftsvertrag, Vernunft und Bildung im Zentrum intellektueller und politischer Diskurse. Die Forderung nach bürgerlicher Aufklärung wurde allerdings sehr unterschiedlich aufgefasst und in ihrer konkreten Anwendung verschiedentlich ausgedehnt. Sämtliche Positionen können in diesem Rahmen nicht erfasst und wiedergegeben werden, jedoch muss erwähnt werden, dass vor allem die bürgerliche Verbesserung der Juden ein zentrales Thema jener Zeit war.

Antijudaismus, Streit um die wahre Religion und Emanzipation. Trotz aller Fortschrittlichkeit – diese mochte man sich selbst attestieren – war die Debatte um die wahre, richtige oder falsche Religion noch nicht vom Tisch. Interreligiöse Toleranz war kein Aushängeschild des 18. Jahrhunderts und antijüdische Hetze gehörte seit dem Mittelalter zum Bild Europas. Vor allem in der Neuzeit erlangten antijüdische Stereotype durch Johann Eisenmenger (1654-1704) und antijüdische Agitation eine Renaissance. Dies musste auch der eingangs erwähnte Mendelssohn, Vorreiter der jüdischen Aufklärung (Haskala) 1769 in der so genannten Lavater-Affäre erfahren. Er sah sich durch den reformierten Theologen Johann Casper Lavater (1741-1801) infolge seiner metaphysischen Schrift Phädon Oder von der Unsterblichkeit der Seele vor die Herausforderung gestellt, das Christentum zu widerlegen oder sich taufen zu lassen, also zur Religion Lavaters zu konvertieren. Allerdings stand der Jude Mendelssohn, der mit der Gewissensfrage für das Judentum argumentierte, nicht allein auf gegen Intoleranz, die seiner Religion entgegengebracht wurde. Auch nichtjüdische, sprich christliche Intellektuelle wie Christian Konrad Wilhelm von Dohm (1751-1820), der seine Hauptschrift mit dem Titel Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden (1781) versah, setzten sich für die Juden ein bzw. verteidigten diese. Bereits Philipp Jacob Spener (1635-1705), quasi der neuzeitliche Vater des lutherischen Pietismus, forderte statt der Unterdrückung, wie sie allzu oft an der Tagesordnung war, die Achtung vor den Juden und die Gewissensfreiheit für jene. Christliche Gelehrte akzeptierten nicht einfach die Bedeutung des Judentums, sie verwiesen auf diese und sahen das Judentum als integralen Bestandteil der westlichen Tradition. Deshalb mussten das Judentum und die Juden, sprich die Menschen, die sich hinter jenem Volks- und Religionsbegriff verbargen, erforscht und durchdrungen werden – allerdings auch zum Zwecke ihrer Missionierung.

Wie erwähnt, mussten diverse Vertreter der jüdischen Emanzipation für diese kämpfen. Juden waren nahezu rechtlos, wie es sogar am Beispiel Moses Mendelssohns nachzuzeichnen ist. Er hatte das zweifelhafte Glück im Berlin Friedrich II., des für seine Aufgeklärtheit gerühmten preußischen Herrschers, zu leben. Trotz seines Grenzen überschreitenden Ruhmes konnte er kein festes Wohnrecht für sich und seine Familie erwirken. Ebenso war ihm das Recht zu studieren verwehrt und laut Glickel von Hameln waren Juden auf Universitäten in jenen Tagen ungern gesehen. Sie wohnten obendrein in engen schmutzigen Gassen bzw. Ghettos und hatten hohe Steuerabgaben zu leisten.

Umbruch und Restauration. Erst mit den Wirren der napoleonischen Kriege und deren Folgen, dazu gehört auch der 1806 in Kraft getretene Code Napoléon, änderte sich die Lage der Juden innerhalb der deutschen Lande – wenigstens teilweise – zum Positiven, es gab allerdings große regionale Unterschiede. Juden die sich zuvor in ihren Gemeinden und Ghettos als übergeordnete Instanzen verwalteten und organisierten sowie verwaltet und organisiert wurden, erlangten nun Freiheiten, die sie wie am Beispiel des preußischen Emanzipationsedikts von 1812 zu sehen ist, nahezu mit der nichtjüdischen Bevölkerung gleichstellte. In den Vorjahren der Hep-Hep-Krawalle von 1819, der ersten überregionalen antijüdischen Pogrome seit dem Mittelalter, waren es vor allem die deutschen Intellektuellen, die mit antisemitischen Stereotypen gegen die neue gesellschaftliche und politische Stellung der Juden polarisierten. Die postnapoleonische Ära schien die Errungenschaften der Aufklärung, wie Vernunft (raison), Freiheit (liberté), Gleichheit (égalité) und Brüderlichkeit (fraternité) nicht mehr auf jene Weise zu würdigen, wie es kaum mehr als eine Generation zuvor noch der Fall gewesen war. Deutscher Idealismus und vor allem Nationalismus bestimmten die politische Gesinnung vieler Intellektueller. Auch wenn die alten absolutistischen Reiche – das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und das Französische – ein Ende fanden, so schien die Aufklärung nach dem Scheitern der französischen Revolution, denn nur etwa zehn Jahre nach deren blutigem Höhepunkt wurde Frankreich wieder monokratisch geführt, als der falsche Weg in die Zukunft verstanden worden zu sein. Der intellektuelle Blick jener Jahre war also ein rückwärtsgewandter und dies schloss freilich die Rückführung der Juden in ihre alte geknechtete Gesellschaftsposition mit ein.

In jene wechselvolle Epoche gehört auch der 1749 in Frankfurt am Main geborene Johann Wolfgang von Goethe. Aus wohlsituiertem Hause stammend erhielt er eine elitäre Ausbildung, welche alle relevanten Wissenschaften jener Zeit abdeckte – er studierte Sprach- und Naturwissenschaften sowie Religionen. Bereits in seinen jungen Jahren macht er als Literat durch Die Leiden des jungen Werthers (1774) und dann am Weimarer Hof, diverse Ämter bekleidend, Karriere. Sein Wirken sowie seine Bedeutung damals wie heute nachzuzeichnen, soll freilich nicht Gegenstand dieser Betrachtung sein. Vielmehr soll uns in groben Zügen seine Position zu den Juden mit den eingangs gemachten Vorbemerkungen im Hinterkopf interessieren.

Wie viele seiner Zeitgenossen, war auch Goethe nicht frei von Vorurteilen gegenüber der jüdischen Minderheit, pflegte sogar rassische, sprich antisemitische und religiöse, sprich antijüdische Stereotype, wenn es beispielsweise um Mischehen ging, oder implementierte antijüdische Elemente direkt in seine Werke, wie im Roman Wilhelm Meister. Goethe wuchs ohne eigenes Zutun mit antijüdischer und antisemitischer Hetze, wie zum Beispiel der Ritualmordlegende und angeblich jüdischen Eigenheiten wie dem Schachern und Feilschen, auf. Juden waren für den „Dichterfürsten“ jedoch nicht einfach ein Abstraktum ohne Realitätsgehalt, denn in Frankfurt aufwachsend kam er mit der dort lebenden jüdischen Gemeinde in Kontakt. Gemäß seinen Bemerkungen in Dichtung und Wahrheit wird klar, dass die Judengasse eine gewisse Wirkung sowie Anziehung auf den jungen Goethe ausgeübt haben muss, und dass gerade trotz deren abstoßender Erscheinung, denn sie war verschmutzt, eng und völlig überlaufen. Auch der Dialekt des Frankfurter Ghettos schien keine Musik in seinen Ohren gewesen zu sein. Trotz all der von ihm aufgenommenen und negativ bewerteten äußerlichen Erscheinungen und trotz der an ihn getragenen Vorurteile, sah er in den Juden Menschen, die von Gott erwählt waren. Nicht allein die Mädchen wirkten auf ihn anziehend, auch die jüdischen Riten regten ein genaues Studium seinerseits an. Das Bild der Juden in Dichtung und Wahrheit ist vorwiegend ein positives. Dieses, also des gastfreundlichen Juden, der zuallererst Mensch ist und eine erhabene Position unter den Völkern innehat, ist allerdings nur eine Position des Literaten zu jener Minderheit. Goethes Verhältnis zu den Juden ist wohl unbestreitbar ambivalent.

Noch zu seinen Lebenszeiten begann eine regelrechte Mythisierung Goethes, welche hier nicht nachgezeichnet werden soll, jedoch insofern interessant ist, als dass der Journalist und Literaturkritiker Juda Löw Baruch (1786-1837), besser bekannt als Ludwig Börne, ein im Frankfurter Ghetto geborener Jude, die Figur Goethe im Speziellen anders aufgriff. Börne, der revolutionäre Züge aufwies, was ihn vom „Dichterfürsten“ Goethe – welcher der alten Ordnung verhaftet schien – völlig abgrenzte, erlangte zu seiner Zeit keinerlei Akzeptanz. Ihm wurde vielmehr Wahnsinn und Verlogenheit attestiert, was wohl zu seiner Isolierung als Literat beitrug. Man kann ihm unterstellen, dass er sich selbst ebenfalls isolierte, betrachtete er doch sein Jüdischsein als Schmach, kehrte seinen Wurzeln letztlich den Rücken zu und ließ sich 1818 taufen. Dies hatte – wie auch im Falle Heines (1797-1856), eines anderen berühmten deutsch-jüdischen Literaten jener Zeit, der sich ebenfalls taufen ließ (1825) – nicht zuletzt mit dem Wunsch nach gleichberechtigter gesellschaftlicher Akzeptanz zu tun, die beiden Männern verwehrt zu sein schien. Börne, der übrigens wie Heine fast zwei Dekaden später in Paris verstarb und nicht etwa auf deutschem Boden, änderte dazu sogar seinen Namen – zu jüdisch klang dieser.

Goethe und Börne. Letzterer verachtete den „zahnlosen Genius“, wie er Goethe nannte. Börne verachtete jedoch nicht Goethes schöpferische Leistung. Ganz im Gegenteil, denn das Studium Goethes schien er vielmehr als eine Notwendigkeit erachtet zu haben. Börne verachtete vielmehr wofür Goethe stand, was Goethe repräsentierte. Börne, der Revolutionär, mit dem Blick auf die Zukunft gerichtet, lässt sich wohl als politisch-intellektuelles Gegenstück zu Goethe verorten, da nämlich beide so gegensätzlich in ihren Haltungen waren, dass sie als Zeitgenossen fremder Epochen gelten könnten.

Der unterprivilegierte Jude in Börne strebte nach Freiheit, so hat auch die Kunst als Werkzeug nach dieser zu streben und zwar zum Wohle des Lebens sowie zum Fortschritt der Geschichte selbst. Goethe ist hingegen, zumindest aus der Perspektive Börnes, eine Archaisierung der Geschichte, die nicht progressiv motiviert sei. Börne wirft Goethe vor, seine Position als herausstechende Größe unter den deutschen Intellektuellen jener Epoche nicht für den Progress Deutschlands bzw. des gesamten deutschen Volkes genutzt, sondern vielmehr diesen aufgehalten und seine Fähigkeiten nicht dem Menschen selbst zur Seite gestellt zu haben.

Goethe und Börne sind zusammengenommen, obwohl sie nicht zusammen zu bekommen sind, der Spiegel deutsch-intellektueller Identität zwischen Aufklärung und Vormärz. Gemeinsam sind sie das Sinnbild des in sich sprachlich, kulturell und religiös hin und her gerissenen deutschen Volkes und zwar in all seinen Facetten. Sie verkörpern den Wunsch nach einer besseren Zukunft durch eine neue Gesellschafts-, sowie Herrschaftsordnung durch die Figur Börne auf der einen und die Restauration der alten Ordnung durch Goethe auf der anderen Seite. In ihnen zeigt sich die Suche nach Identität und der problematische Umgang mit der eigenen. Goethe, der privilegierte Nichtjude außerhalb des Ghettos und Börne, der unterprivilegierte Jude, stets verhaftet innerhalb des Ghettos, auch wenn er dort nicht sein ganzes Leben verbringt und sich sogar taufen lässt, muten wie zwei diametral zueinanderstehende Welten an. Beide Welten sind letztlich eine einzige, da sie nicht ohne einander gedacht werden können und die Zeit weder bereit schien konservierte sowie fremdenfeindliche Vorurteile zu verwerfen, noch die (eigene) Vergangenheit aufzuarbeiten und nicht unversöhnt vor dieser in die Zukunft zu fliehen.

Zusammen sind Goethe und Börne aber auch ein Sinnbild für die vielleicht notwendige Spannung zwischen der Bestrebung nach politischer und gesellschaftlicher Restauration, dem politischen und gesellschaftlichen Fortschritt und menschlichem, oft individuellem, aber auch kollektivem Freiheitsstreben. Diese Spannung gilt es nicht einseitig – koste es was es wolle – in jeweils eine Richtung aufzulösen oder zu überkommen, vielmehr muss jene manchmal ausgehalten werden, auch wenn es schmerzt und Tränen kostet.

ZUM WEITERLESEN

Dohm, Christian Konrad Wilhelm, Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden, in: Friedrich Licolai (Hg.), Berlin 1781.
Goethe, Johann Wolfgang, Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, 3 Bde., Cotta/Stuttgart/Tübingen 1811-1814.
Jasper, Willi, Keinem Vaterland geboren. Ludwig Börne – Eine Biographie, Hamburg 1989.
Kant, Immanuel, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, in: Ehrhard Bahr (Hg.), Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen. Von Kant, Erhard, Hamann, Herder, Lessing, Mendelssohn, Riem, Schiller, Wieland, Ditzingen 1986 [Erstdruck: Berlinische Monatsschrift, Dezember 1784].
Mendelssohn, Moses, Ueber die Frage: was heißt aufklären?, in: Christoph Schulte/Andreas Kennecke/Grażyna Jurewicz (Hgg.), Moses Mendelssohn. Ausgewählte Werke, Bd. 2, Darmstadt 2009 [Erstdruck: Berlinische Monatsschrift, September 1784].

A THOUGHT OR TWO ON THE RELATION OF REFORMATION AND IDENTITY IN ISLAM

Reformation related to Islam is a term strongly despised by many. While non-Muslims sometimes demand a reformation of Islam and some liberal Muslims strongly reflect on how such a reformation could look like. Others, non-Muslims and also rather conservative Muslims, reject this idea totally. Those non-Muslims consider Islam irreformable, while conservative Muslims consider Islam as the final and therefore immaculate revealed religion by God, Allah. Therefore, a reformation of Islam is understood as a human approach to better something which is already perfect—a sign of human ignorance and hubris. In the following I want to argue for the rehabilitation of the term reformation in the context of Islam.

The fundamental problem in the relation of reformation and Islam is twofold. First of all, reformation is seen as a Christian—in a certain sense western—concept being forced upon Islam as a neo-colonial and orientalist attempt not just to reign Muslim land, politics and economy, but also their hearts and minds. Secondly, what is understood by reformation applied to Islam? It is mostly understood as to correct or improve and ultimately change Islam, which also means to change the perception of Islam’s fundamental scripture—the Koran. Let’s start directly there, with the Koran. Reformation from within a religion does not change its text, rather reformation from within changes the approach of the people towards the text. But why talking about the Koran as a text in the first place? If the Koran is a text, then it is an ancient one, namely from the early 7th century and will basically remain there. Why not approaching the Koran as what it is, namely a “dialogue” like Nasr Hamid Abu Zayd (1943-2010) had convincingly argued for?

From Abu Zayd’s point of view living with the Koran in the 21st century is possible as it was or could have been in any century without following the orthodox or fundamentalist literal reading of the Koran. From the orthodox or fundamentalist point of view, the Koran is a fixed text, which they consider perfect, while at the same time invented and applied theological concepts like „abrogation“ on the Koran – the so to speak written dialogue – in order to choose one passage of it over the other, if those two contradict each other. Taking the divinely-human origin of the Koran serious, Abu Zayd’s approach doesn’t need such an arrogant approach to the Koran, because he was able to see the Koran as what it always was and what it is for the faithful Muslims, even if those Muslims aren’t totally aware of it, namely a dialogue on different levels. Its most important of course the dialogue between God and man, but also between men. Dialogue and the ability to get into one, to lay down your arguments, to respectfully dissent and being able to let yourself being persuaded by reasonable arguments, is a core asset not just in modern-day life.

Connecting Abu Zayd’s approach directly to Islamic law, Islamic philosophy and Islamic culture, has surely the potential to once again lead Islam into a ‘golden age’. Scholars of today wouldn’t speak about this age as a golden one, if back then everything would have been like a solid hard rock, without any internal, relational movement or motion, which is in fact what dialogue is all about. Therefore, only a status quo as constant dynamism in the man-oneself, man-man and God-man relationship is required. The so-called ‘golden age of Islam’ was possible because of the dialogical essence of the Koran which shaped the thinking and approach to the world of early Muslim scholars and lay-persons until the Middle Ages.

Everywhere where else, where the Koran was understood as eternally fixed by the divine, being therefore unchangeable like a solid hard rock, hence, from being understood from the literary perspective “just” as a text and totally reduced to its letter, the dialogical essence of the Koran vanished. The Koran became a mere shell of its original self. Consequently, the richness of Islamic law, Islamic philosophy and Islamic culture was reduced to one or just a few positions, which were not rarely connected to violence, led finally to the breakdown of those amazing achievements Islam stood for and for some still stands for. Those achievements aren’t lost. They are preserved by scholars of today, also by Muslim people who are aware of their heritage and cherish every bit of it and also by historical evidence found here and there. A lot of Islamic intellectual and cultural achievements were destroyed or not preserved, thus, is unfortunately lost today. But luckily not everything. Therefore, it is not too late to revive this culture. If Muslims once again realize what a treasure they possess, actually the essence of their religion, sitting and waiting to be rediscovered, they could revive a ‘golden age of Islam’ in our time and our ancestors time. Islam once again will be understood as a gift to mankind.

Thus, reformation mustn’t mean a change of Islam being forced on it by western non-Muslim people. Reformation is not a Christian invention. In general, being in a (constant) dialogue with (living) subjects and objects means to constantly reform yourself and others peacefully. Hence, reformation is a necessity every people and every culture need in every age. In order to rediscover the dialogical essence of Islam, namely the Koran, Muslims and non-Muslims alike have to reread the transmitted text we call today Koran and other written Muslim sources, and we also have to rethink and reinterpret its message and meaning in every age. According to my understanding, the necessary reformation of Islam is therefore not an intended recreation of Islam based on a Christian model, but to become aware of the fundamental structure of early Islam, especially the Koran as its primary source and the Sunna, the traditions attributed to the prophet Muhammad. An inner-Muslim reformation is therefore a rediscovery of what was always there. Reforming Islam by Muslims is to come to terms with Islam’s and their own essence. Reforming Islam is nothing else than reconciling themselves with themselves, with their fellows, with non-Muslims and foreigners and ultimately with the divine—Allah.

„UNTERM STRICH ZÄHL“… ICH? Über Sprache und Konvention, über Ich und den Anderen

Verehrter Leser, ich habe nicht selten das Gefühl, dass wir nicht nur in einer Zeit des Sprachwandels leben, zumindest was bestimmte Konventionen anbelangt, sondern damit einhergehend auch in einer Zeit der Sprachverwirrung. Nach einer wirklich kurzen Reise in das Land chaotischer Sprache, soll es vor allem um die Frage gehen, ob, und wenn ja wie, der Mensch Konventionen in der Sprache entkommen kann. Diese Reise beginnt ganz genau so wie es alle Reisen tun, nämlich bei uns selbst.

Am Anfang – nein, es folgt nicht die Auslegung eines biblischen Textes – und dies meint zuallererst unseren biologischen Anfang, kennen (und können) wir noch keine Sprache. Oder vielleicht doch? Immerhin befindet sich der Körper des Wirtes, sprich der Körper der Mutter und der des Begünstigten, diese sich unablässig rapide teilende und damit einhergehend wachsende Zellfusion – fünfzig Prozent vom Doppel-X-Chromosenträger, die sprachliche Konvention begreift diesen als „Frau“, die anderen fünfzig kommen von ihrem chromosomalen Gegenstück, dem XY-Chromosomenträger, gemeinhin betitelt als „Mann“ – in einem unablässigen Akt des Sprechens. Sicherlich ein nonverbales Sprechen, aber es scheint mir doch ein Sprechen zu sein, auch wenn viele vielleicht lieber von Kommunikation oder Austausch sprechen würden als von einem Sprechen. Und so wirklich nonverbal ist zumindest der Doppel-X-Chromosomenträger, oder die Doppel-X-Chromosomenträgerin (?), nicht. (Ojemine…) Es gibt zumindest Anfragen von Seiten beider Chromosomenträger sowie Responsen und Gegenfragen von Seiten der Zellfusion(en), die wir alle sind – nicht nur, aber auch. Auf letztere reagieren für gewöhnlich auch wieder die Chromosomenträger, und zwar immerzu während dieser gefühlten Endlosigkeit, welche konventionell als Schwangerschaft bezeichnet wird und sich letztlich als ganz und gar nicht unendlich erweist, und natürlich darüber hinaus.

Dieser Text holpert mehr als das er fließt, nicht zuletzt aufgrund seines ironischen Untertons. Eigentlich soll diese zugegebenermaßen stilistisch arg konstruierte Passage nur eines vermitteln, nämlich die sprachliche Vermeidung von Konventionen. Die Sprache dieser kurzen Passage versucht zumindest den Konventionen auszuweichen und donnert, sobald sie sich in Sicherheit wähnt, kaum gebremst frontal in die nächste. So scheint sie zu sein, die Sprache, ein Wald voller Konventionen.

Sprache ohne Konvention – eine angestrebte Utopie für die einen, eine weltfremde Absurdität für die anderen. Gibt es das oder kann es das geben, eine Sprache ohne Konvention, eine konventionslose Sprache oder muss dieser Wunsch nicht vielmehr im Land der Träume verharren? Sind sprachliche Eigenheiten lediglich Konventionen und lassen sich diese nach Jahrhunderten oder gar nach Jahrtausenden noch vorsätzlich verändern? Können wir eine neue Sprache erschaffen und fruchtbar gebrauchen? Und wird nicht wiederum jede so genutzte Sprache selbst zur Konvention?

Halten wir besser inne, denn diese Fragen lassen sich endlos erweitern und führen nirgendwohin, maximal zu einem kognitiven Schwindelgefühl. Aber der Tenor bleibt und dieser lautet: Die konventionelle Sprache muss weg! Sicherlich nicht die gesamte Sprache, nicht der gesamte Bestand, sprich Grammatik und der Wortschatz der jeweiligen Sprache. Wie sollte auch noch eine Verständigung gelingen, wenn die Sprache vollkommen ihrer Form und ihres Inhaltes beraubt wurde? Verschwinden soll selbstverständlich, und zwar auf Nimmerwiedersehen, der alltägliche, vom Patriarchat verseuchte, logophonozentristische Jargon, der die gebrauchte Sprache einem Parasiten gleich infiziert und missbraucht.

Aber können wir die „alte“, von Konventionen beherrschte Ursprache tatsächlich auseinandernehmen? Können wir sie zerstören, sie destruieren, um sie daraufhin wieder, aber anders, zusammenzusetzen? Können wir Sprache folglich dekonstruieren? Und was noch viel wichtiger ist: Könnten wir einander verstehen, wenn wir uns zwangsläufig, wenn auch willentlich, in einem Regress des Dekonstruierens der Sprache ad infinitum befinden? Da Sprache aber ohnehin nicht einfach nur eine eins-zu-eins Übermittlung von Informationen darstellt, sondern in der Transmission ihrer Informationen bereits davon bedroht ist einzelne Informationen zu verlieren, ist die unablässige Dekonstruktion, zumindest wenn sie keine Grenzen mehr kennt und at the end of the day das Normative aus der Sprachwelt – beispielsweise eines Landes – verschwunden ist, wenig ratsam.

Meines Erachtens muss der Übergang vom alltäglichen, logophonozentristischen Jargon zu einer entpatriarchalisierten Sprache kein gewalttätiger Akt sein. Mehr noch sollte das Dekonstruieren unserer Alltagssprache um der Dekonstruktion willen vermieden werden – Zerstörung und Neuschaffung darf kein Selbstzweck werden. Und vielleicht braucht es für den Übergang nicht mehr als ein gewisses Maß an alltäglicher Wachsamkeit um eine jede zu überkommende Konvention als solche auch zu entlarven. Folgerichtig ließe sie sich dann dekonstruieren, sprich in ihre Teile zerlegen und zu etwas anderem, neuem zusammensetzen.

Aber wie mag die Ära der „gesunden Dekonstruktion“ gelingen? Wie kann es gelingen alle wünschenswerterweise zu überkommenden Sprachkonventionen auch tatsächlich zu überkommen? Das Herrschaftliche in den betroffenen Sprachen beginnt mit einem ‚ursprünglichen Subjekt‘, vielleicht auch mit mehreren, die sich darin glichen, dass sie eine währende Führer- oder Autoritätsfunktion inne hatten. Die einzelnen Führer gingen, das Prinzip der Autorität blieb. Da ließe sich ansetzen, nämlich wo die Sprache des autoritären Subjekts in den Mikro- und Makrokosmos des sozialen Miteinanders drang. Das Subjekt gebietet sich selbst. Beginnt es im Anderen jemanden seines gleichen zu sehen, wird der Andere zu einem anderen Ich, einem Alter-Ego. Und was für mich, das herrschende Subjekt, der pater familias, der Stammesführer oder der primus inter pares, gilt und das, was ich entscheide, sowie das was und wie ich spreche, das gilt auch für alle anderen, denn sie sind alle wie ich. Diese Vereinnahmung ist es, was als Totalitarismus bezeichnet wird – das Aufgehen des Einzelnen, des Individuellen im Ganzen in der Totalität und damit sein Verschwinden. Die auf ein Alter-Ego reduzierten Subjekte, die mit dieser Herrschaftsstruktur aufwachsen, eine Struktur übrigens, die sich selbstverständlich in der Sprache niederschlägt, kennen nichts anderes. Folglich werden sie die Struktur gesellschaftlichen Miteinanders sowie den patriarchalen Jargon aufnehmen, er wird ihrer Sprache inhärent sein und viele werden für einen großen Teil ihres Lebens nicht einmal wissen, dass sie in einem totalitären System gefangen sind – ein Gefängnis nicht zuletzt für den Verstand.

Sicherlich, das Patriarchat, der Totalitarismus in seiner vielleicht ursprünglichsten Form – auch ein Matriarchat wäre denkbar, aber nicht unbedingt besser –, ist vielen Sprachen inhärent. Aber Sprachen sind keineswegs dazu verdammt ausschließlich totalitär zu sein oder zu bleiben. Wenn sich der tradierte Totalitarismus in der Sprache ausdrückt, wenn somit die totalitäre Sprache mit dem patriarchalen, logophonozentristischen Subjekt, dem Ich anhebt, warum also immer wieder beim Subjekt anfangen?

Demjenigen, der bis hierher gelesen hat, ist nicht entgangen, dass ich eine Vielzahl an Fragen in den Raum stelle, aber diese mag die wichtigste sein: Warum beginne ich, das Subjekt, eigentlich bei mir? Denn seien wir einmal ganz offen und ehrlich, die chronologisch gesehen fundamentalste Erfahrung des Ichs ist nicht das Ich, sondern der Andere. Lange bevor das Ich ein solches geworden ist, lange bevor das Ich von sich als Ich weiß, hat es den Anderen schon erfahren, sich von Anderen gebären, stillen, wickeln, bespaßen, füttern und vielleicht auch anschreien lassen. Anders ausgedrückt, hat der Andere oder haben die Anderen das Ich bereits adressiert, bevor das Ich um seiner selbst wusste. Das Ich wird zum Ich nicht weil es sich autonom setzt, sondern weil es sich – reflexiv – vom Anderen her erfährt.

Die fundamentale Erfahrung des Anderen, die der Erfahrung meiner selbst, der Erfahrung das ich ein Ich bin, primordial vorausgeht, gewährt mir eine Sprache des Sich. Der Andere spricht mich an, es ergeht ein Appell an mich, dem ich mich nicht entziehen kann. Hierbei handelt es sich um eine Sprache, die mehr ist als ein einfaches Sprechen. Hierbei handelt sich nicht (mehr) um eine Sprache der Konvention, es geht bzw. kommt kein Ich mit einem anderen Ich (Alter-Ego) zusammen, das ist es nämlich was Konvention seinem Lateinischen Ursprung nach meint (cum + venire: conventio), ein zusammenkommen von welchen, die so sind wie ich. Hierbei, dies sollte nunmehr deutlich geworden sein, handelt es sich folglich auch nicht (mehr) um eine Sprache des Nominativs, nicht um eine Sprache des vom Totalitarismus in Versuchung gebrachten Ich, sondern um eine Sprache des Akkusativs (mich) – mich gibt es nur, weil es den Anderen gibt. Es handelt sich hierbei somit um eine Sprache, die an mich ergeht, ganz ohne mein Zutun. Das Ich ist irgendwo, wenn es überhaupt ist, aber wo es ist, spielt keine Rolle. Da ist einfach nur diese Anklage (accusare), dieser Appell, dieses Sprechen des Anderen – der in seiner Andersartigkeit nicht einfach ein anderes Ich, kein Alter-Ego ist –, gerichtet an mich. Das Sprechen des Anderen richtet sich an mich, es betrifft mich. Es ist nicht mein Sprechen und nicht mein Sprache, die ich dem Anderen aufoktroyiere. Nicht ich habe sie im Sinne eines Besitzes. Über die Sprache des Anderen, die an mich ergeht verfüge ich nicht. Ich kann sie dem Anderen nicht vorschreiben, weil sie, insofern ich offen für den Appell des Anderen bin an mich ergeht und nicht von mir an ihn. Was mir folglich bleibt ist zu antworten auf das, was an mich gerichtet wird. Wenn ich akzeptiere, dass ich angesprochen werde, und zwar in einer Sprache, die ich verstehe, die aber nicht die meine ist, dann spreche ich ohne Konvention. Dann spreche ich eine Sprache ohne ein Zusammenkommen, ohne Konvention, deren Bedingung ich stelle.

Hier schließt sich der Kreis. Wir müssen nicht festlegen ob der Andere „Frau“, „Mann“ oder „divers“ ist. Dies entscheiden nicht wir. Dies entscheidet der Andere. Wir brauchen keine Labels, wenn überhaupt, im exklusiven, sondern im inklusiven Sinne. Es sollte mich nicht stören, ob im Toilettenabteil neben mir eine „Frau“, ein „Mann“, oder eine Person sitzt, die sich weder das eine noch das andere Label zuschreibt. Was zählt ist, ob ich mich meiner machtinfundierten Sprache entledigen kann und meine Verantwortung gegenüber dieser Person übernehme, so dass ich sie weder beschäme, noch in irgendeiner Weise verletze. Wenn ich diese Person adressieren möchte, warum nicht mit ihrem Namen, den sie sich vielleicht sogar selbst gegeben hat. Wenn ich den Anderen in seiner Andersartigkeit zulasse, mache ich mir kein Bild von dieser Person, ich lasse nicht zu, dass sie in der Totalität verschwindet. Vielmehr höre ich zu und trete für diese Person ein, ich übernehme Verantwortung und werde Mensch.